Denn sie wissen nicht, was sie tun!

Flagge Bergwinkelmuseum Korr

Seit Fukushima und der Energiewende in Deutschland wachsen nicht nur die Windräder selbst, sondern auch die Begehren, solche zu besitzen, geradezu wie die Pilze aus der Erde. Anscheinend ist diese lukrative und vom Staat subventionierte Energietechnologie ein gesuchtes Objekt finanziellen Lustbegehrens und nimmt jeglichen Ansatz dazu wahr.

Inzwischen ist es offensichtlich, dass das privilegierte Verfahren nach § 35 Bundesbaugesetzbuch – (Bauen im Außenbereich) geschaffen wurde, nach dem das Recht einzelner Wald- und Bodenbesitzer sowie der Energieträger höher eingestuft wird, als das Kollektivrecht der Gemeinden und Bürger.

Dagegen muss protestiert und rebelliert werden, wenn das Grundrecht auf Gleichheit und zur freien Entscheidung für alle in unserer demokratischen Staatsform gelten soll. Das Baugesetzbuch muss schnellstens geändert werden. Dies haben bereits Tausende Bürger erkannt und eine Petition an das Berliner Parlament für die sofortige Änderung dieses undemokratischen Paragraphen unterzeichnet. Alle Bürger mit einer rechtsstaatlichen Gesinnung sollten dies unbedingt tun, auch Sie!

Die Bürger des Bergwinkels und darüber hinaus die der mittelgebirgigen Rhön werden zur Zeit mit diesem Lustbegehren einer Interessengemeinschaft konfrontiert, die die Bedeutung der für eine Windkraftanlage von ihnen protegierten Kulturlandschaft bewusst negiert.

Es geht um eine der kulturträchtigsten Landschaften des oberen Kinzigtals – um Ramholz!

Fährt man in Schlüchtern am Lauterschen Schlösschen vorbei, sieht man an seinem der Straße zugewandten Giebel drei Porträts:

Zuoberst Ulrich von Hutten, der große deutsche Humanist, an allen europäischen Höfen bekannter deutscher Dichter, Vorbereiter der Deutschen Renaissance, mit Luther in den Bauerkriegen für die Rechte der Bauern und Landleute kämpfend und gegen das Papsttum dieser Zeit rebellierend. Er wurde 1488 auf der Steckelburg geboren, der bedeutendsten Landmarke des oberen Kinzigtales! – erhaben und weit in das Land ausstrahlend und sichtbar. Ehemalige keltische Ringwälle sind in der unmittelbaren Nachbarschaft nachgewiesen und dokumentieren die Geschichtsträchtigkeit dieses Ortes.

Die zweite Person am Giebel des Schlösschens ist Ludovica von Stumm, geb. von Rauch, aus Frankfurt. Nach dem frühen Tod ihres Mannes Hugo von Stumm im Jahre 1910 war sie mit dem Obergärtner Schnetzer die bedeutende Person bei der Gestaltung des Parks nach den vielen Aufzeichnungen, Skizzen und Plänen Ihres Mannes. Ebenso vollendete sie mit den Architekten Emanuel und Gabriel Seidel aus München den Innenausbau des Schlosses.

Als dritte Person ist wiederum ein Ramholzer Bürger mit seinem Konterfei abgebildet, es ist Felix Muche, der großartige naive Maler, von dem vor vielen Jahren eine umfangreiche Ausstellung in der Kreissparkasse Schlüchtern zu sehen war. Er war der Vater eines noch berühmteren Malers nämlich Georg Muche, der zunächst Lehrer am Bauhaus in Dessau war und in einem Atemzug mit Paul Klee, W. Kandinsky, Oskar Schlemmer, Lionel Feininger und anderen genannt werden muss, die die Einheit von Kunst, Architektur, Handwerk und Technik anstrebten und damit das Zeitalter moderner Architektur in der von Walter Gropius gegründeten Bauhaus-Institution einleiteten.

Diese drei bedeutenden Personen: Ulrich von Hutten,. Ludovica von Stumm sowie Felix und Georg Muche haben einen für Schlüchtern so bedeutenden Beitrag in geschichtlicher architektonischer, landschaftsgestalterischer und kulturgeschichtlicher Hinsicht geleistet, wie es von vielen Bürgern unserer Stadt geschätzt, geliebt, verehrt und – wie wir jetzt wieder erfahren – auch verteidigt wird.

Nicht unerwähnt darf in diesem Zusammenhang auch die großartige Tätigkeit Richard von Kühlmanns bleiben, der die älteste der drei Töchter der Familie von Stumm, Margarita von Stumm, geheiratet hatte, und der als Diplomat in vielen Ländern der Erde als Botschafter akkreditiert war. Der deutsche Großadel kam zur Hochzeit nach Ramholz und kehrte häufig zu Empfängen zurück.

Eine für das deutsche Schicksal existentiell bedeutsame Entscheidung wurde in Ramholz durch den damaligen Staatssekretär des Äußeren, Richard von Kühlmann, ausgearbeitet und im Jahre 1918 abgeschlossen: der Friede von Brest – Litowsk, der als Vorläufer für den späteren Versailler Vertrag zu sehen ist.

Die Windräder dürfen nicht gebaut werden!

Mit diesen Zeugnissen deutscher Geschichte und Kultur wäre es eine Schande unserer Zeit, eine Abkehr von Kultur und Kunst, ein bewusste Absage unserer Geschichte und unserer Vergangenheit, wenn wir nicht alle unsere Möglichkeiten ausschöpfen würden, um dieses Debakel zu verhindern.

Diejenigen Politiker, die trotzdem diese Entwicklung forcieren und unterstützen, wissen nicht, was sie tun!

Hans Dorn, Frankfurt/Elm

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